20. Juni 2026
Führung im Kernkraftwerk Leibstadt
Bericht über die Veranstaltung der Urbanen Frauen
Wir besuchten das Kernkraftwerk Leibstadt und erhielten spannende Einblicke in die Funktionsweise, die hohen Sicherheitsstandards und den Schweizer Strommix. Nach einem Rundgang durch die Anlage rundete ein Referat zur Versorgungssicherheit den lehrreichen Tag ab.
WORT ZUR VERANSTALTUNG
Rückblick
Nach unserer Ankunft im Besucherzentrum begann die Veranstaltung pünktlich um 9.00 Uhr mit einer Einführung in die Entdeckung und Nutzung der Kernenergie sowie deren Entwicklung in Europa und der Schweiz. Im Anschluss erhielten wir einen anschaulichen Einblick in die Funktionsweise des Kernkraftwerks Leibstadt, wobei insbesondere die Sicherheitsaspekte der Kernenergie im Mittelpunkt standen.
Erläutert wurden verschiedene Gefahrenszenarien wie Flugzeugabstürze sowie Naturereignisse, etwa Erdbeben oder Überschwemmungen, auf die Schweizer Kernkraftwerke ausgelegt sind. Anhand des Reaktorunglücks von Fukushima wurde aufgezeigt, wie die dortige Katastrophe durch die Lage der Anlage am Meer und die unterschätzte Gefahr eines Tsunamis begünstigt wurde. Gleichzeitig wurde deutlich, dass diese Risiken mit den Gegebenheiten in der Schweiz nur bedingt vergleichbar sind. Als grösste reale Bedrohung für Schweizer Kernkraftwerke gilt vielmehr ein terroristischer Anschlag. Nach einer ausführlichen Einführung in die entsprechenden Evakuations- und Sicherheitskonzepte konnten wir auch die strengen Zutrittskontrollen für Besucherinnen besser nachvollziehen.
Anschliessend führte uns der Rundgang über das Kraftwerksareal. Nach dem Passieren mehrerer Sicherheitsschleusen erhielten wir Zugang zum Inneren der Anlage und konnten unter anderem den Kommandoraum besichtigen. Besonders eindrücklich war es, den Mitarbeitenden bei ihrer verantwortungsvollen Arbeit über die Schulter zu schauen. Auch der 140 Meter hohe Kühlturm beeindruckte aus nächster Nähe.
Zurück im Besucherzentrum erfuhren wir Wissenswertes über den Schweizer Strommix. Neben der Wasserkraft mit rund 55 Prozent trägt die Kernenergie mit etwa 35 Prozent wesentlich zur Stromversorgung bei. Zudem wurde die zentrale Rolle der Aare für die Kühlung des Kraftwerks erläutert. Damit wurde auch verständlich, weshalb die Leistung von Kernkraftwerken im Sommer zeitweise reduziert werden muss, wenn sich das Flusswasser zu stark erwärmt.
Den Abschluss bildete ein Referat von Lukas Aebi vom Nuklearforum, das bei einem köstlichen Apéro stattfand. Unter dem Stichwort Versorgungssicherheit informierte er über die aktuellen energiepolitischen Entwicklungen. Dabei wurde insbesondere auf die voraussichtlich 2027 zur Abstimmung gelangende Volksinitiative «Blackout stoppen» eingegangen sowie auf die politischen Perspektiven eines möglichen Ausstiegs aus der Kernenergie beziehungsweise eines Neubaus von Kernkraftwerken in der Schweiz.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf den vielfältigen Berufsmöglichkeiten in der Kernenergie. Lukas Aebi erläuterte, dass eine Aufhebung des Neubauverbots voraussichtlich dazu beitragen würde, weiterhin qualifiziertes Fachpersonal auszubilden und zu gewinnen. Dadurch könne der sichere Betrieb der bestehenden Anlagen bis zum Ende ihrer Laufzeit gewährleistet werden. Seinen Ausführungen zufolge stehen Frauen der Kernenergie im Durchschnitt kritischer gegenüber als Männer. Das Nuklearforum setze deshalb gezielt auf Informations- und Aufklärungsarbeit.
Die Führung war für alle Teilnehmerinnen ein bereicherndes Erlebnis. Sie vermittelte einen umfassenden Einblick in die Schweizer Energiepolitik, die Bedeutung der Kernenergie für die Versorgungssicherheit, die hohen Sicherheitsstandards der Schweizer Kernkraftwerke sowie die vielfältigen beruflichen Perspektiven in diesem Bereich. Darüber hinaus blieb genügend Zeit für anregende Gespräche und den persönlichen Austausch unter den Teilnehmerinnen, was den gelungenen Anlass in angenehmer Atmosphäre abrundete.